Zum Hauptinhalt springen
3 Min. Lesezeit

BFSG für Online-Shops: 7 wichtigste Punkte

Das BFSG verpflichtet viele Online-Shops zur Barrierefreiheit. Die sieben Punkte, die wirklich zählen — mit konkreten Beispielen statt Paragraphen.

von Joona Rosemeier

Seit dem 28. Juni 2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG). Für viele Online-Shops ist Barrierefreiheit damit keine Kür mehr, sondern Pflicht — mit Bußgeldern bis 100.000 Euro. Die gute Nachricht: Die meisten Anforderungen sind solides Handwerk, kein Hexenwerk. Hier sind die sieben Punkte, die in der Praxis am häufigsten fehlen.

Wen es betrifft

Grob gesagt: B2C-Online-Shops und ähnliche Dienste, die Verbrauchern etwas verkaufen. Es gibt eine Ausnahme für Kleinstunternehmen (unter 10 Mitarbeitende und unter 2 Millionen Euro Jahresumsatz), die Dienstleistungen anbieten — aber die Ausnahme ist enger, als viele denken, und gilt nicht automatisch für jeden kleinen Shop. Im Zweifel: rechtlich prüfen lassen. Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung.

1. Alles per Tastatur bedienbar

Ein erheblicher Teil der Nutzer bedient Websites ohne Maus — per Tastatur oder Hilfsmittel. Jeder Schritt im Shop muss per Tab-Taste erreichbar und mit Enter auslösbar sein: Produkt in den Warenkorb, Menge ändern, zur Kasse, bezahlen. Testen Sie es selbst: Legen Sie die Maus weg und kaufen Sie ein Produkt nur mit der Tastatur. Wo Sie hängen bleiben, hängt auch Ihr Kunde.

2. Sichtbarer Fokus

Wenn man per Tastatur navigiert, muss man sehen, wo man gerade ist. Das aktuell fokussierte Element braucht eine deutliche Markierung — einen Rahmen oder eine Hervorhebung. Viele Shops blenden diese Markierung aus „Design-Gründen" aus. Das ist seit dem BFSG ein Fehler, der teuer werden kann.

3. Ausreichender Kontrast

Heller Grautext auf weißem Grund sieht edel aus und ist für viele schlicht nicht lesbar. Die Regel: Normaler Text braucht ein Kontrastverhältnis von mindestens 4,5 zu 1 gegenüber dem Hintergrund. Das prüfen Sie kostenlos mit Online-Kontrast-Rechnern. Besonders kritisch sind Preise, Buttons und Hinweise — also genau das, was im Shop zählt.

4. Alt-Texte für Produktbilder

Jedes Produktbild braucht eine Textbeschreibung, die Screenreader vorlesen. „Blaues Herrenhemd, Baumwolle, langärmlig" statt „IMG_4823". Das hilft nicht nur blinden Nutzern — Alt-Texte sind auch ein SEO-Signal. Bei einem Shop mit hunderten Produkten ist das Aufwand, aber unverzichtbar. Lassen Sie das System Alt-Texte aus den Produktdaten erzeugen, wo es geht.

5. Formulare mit klaren Beschriftungen

Jedes Eingabefeld braucht eine sichtbare, fest verbundene Beschriftung — nicht nur einen grauen Platzhaltertext, der beim Tippen verschwindet. Und wenn etwas falsch eingegeben wurde, muss die Fehlermeldung klar sagen, was zu tun ist, und mit dem Feld verknüpft sein, damit Screenreader sie vorlesen. „Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein" am richtigen Feld, nicht „Fehler" irgendwo oben.

6. Verständliche Struktur

Überschriften müssen eine logische Reihenfolge haben — eine Hauptüberschrift, darunter Abschnitte, darunter Unterabschnitte. Screenreader-Nutzer springen von Überschrift zu Überschrift, wie Sehende über eine Seite scannen. Eine Seite, auf der Überschriften wahllos nach Schriftgröße statt nach Bedeutung gesetzt sind, ist für sie ein Labyrinth.

7. Eine Erklärung zur Barrierefreiheit

Das BFSG verlangt eine Erklärung, in der Sie den Stand der Barrierefreiheit darlegen und eine Kontaktmöglichkeit für Probleme nennen. Diese Seite gehört in den Footer. Sie zeigt, dass Sie das Thema ernst nehmen — und sie ist Teil der Pflicht.

Wie Sie vorgehen

Bauen Sie keinen Aktionismus auf. Gehen Sie die Liste der Reihe nach durch:

  1. Maus weglegen, einmal komplett durch den Kaufprozess klicken
  2. Kontraste der wichtigen Elemente prüfen
  3. Alt-Texte für die Top-Produkte ergänzen
  4. Formulare auf Beschriftungen und Fehlermeldungen prüfen
  5. Erklärung zur Barrierefreiheit erstellen

Vieles davon ist beim sauberen Bau ohnehin enthalten. Wenn Ihr Shop älter ist, ist eine gezielte Nachrüstung meist günstiger als die Angst vor dem Bußgeld vermuten lässt. Warum gute Technik und Barrierefreiheit zusammengehören, zeigt auch Webdesign in Bremen 2026.

Bei einem Neuaufbau ist Barrierefreiheit von Anfang an mit dabei — keine nachträgliche Sonderaufgabe.

Unsicher, wie barrierefrei Ihr Shop ist? Sprechen Sie uns an — wir machen einen ehrlichen Erst-Check.

Weiterlesen

Konkrete Frage zu Ihrem Projekt?

30 Minuten Erstgespräch — kostenlos, ohne Verkaufsdruck.

Gespräch buchen